Reizdarm - Wenn der Darm rebelliert

5. Der Reizdarm: Wenn der Darm rebelliert

Das Thema Reizdarmsyndrom (RDS) ist so komplex wie die Symptome, die Diagnostik, die Behandlung. In die Entstehung und in den Verlauf spielen so viele Faktoren mit hinein, dass dieses Thema aus mehreren Perspektiven angepackt werden muss. Um es vorwegzunehmen: Mit der Einnahme eines Präparates allein ist es hier nicht getan. Das hängt auch damit zusammen, dass es sich beim Reizdarm weniger um eine Krankheit handelt, als um eine funktionelle Störung, die auch von der Persönlichkeit des Betroffenen beeinflusst wird.

Reizdarm – eine Sache des Typs

So gibt es den Menschentyp, der auf Stress eher mit Durchfall oder jenen, der mit Verstopfung reagiert. Ebenso individuell unterschiedlich sind die Stärke des Empfindens der Symptome und die Symptome selbst. Kurzum: Jeder Betroffene hat sein eigenes individuelles Reizdarmsyndrom. Genau das ist ein Problem für die ärztliche Diagnostik: Selbst ein Mediziner, der seinen Patienten seit Jahren gut kennt, wird nicht sofort die Auslöser (Trigger) ausmachen können, die – oft auch erst in Kombination mit weiteren – RDS verursachen. Daher ist der erste Schritt, ein Tagebuch zu führen: Was haben Sie wann zu sich genommen, welche Beschwerden traten zu welcher Zeit auf, wie fühlten Sie sich? Das Symptomtagebuch, auch als App, kann die Auslöser entlarven, etwa bestimmte Nahrungsmittel und Stressfaktoren.

Achten Sie auf regelmäßige Mahlzeiten – drei Haupt- und zwei Zwischenmahlzeiten – und genießen Sie sie bewusst.

Wichtig ist auch Ihre Esskultur. Achten Sie auf regelmäßige Mahlzeiten – drei Haupt- und zwei Zwischenmahlzeiten – und genießen Sie sie bewusst. Bereiten Sie Ihre Gerichte und Snacks täglich frisch zu und nutzen Sie keine mit Glutamat versetzten Lebensmittel. Fassen Sie Ihre Ernährung als Darmpflege auf und wählen Sie entsprechend sorgfältig und mit Bedacht die Nahrungsmittel aus.

Auch wenn es eine medikamentöse Therapie gegen das RDS aufgrund der Vielfältigkeit von Auslösern und Symptomen so nicht gibt, gibt es Medikamente gegen einzelne Beschwerden wie Durchfall oder Verstopfung, Schmerzen, oder bei durch RDS (mit) verursachten Depressionen, z. B. Psychopharmaka). Es lohnt sich, auszuprobieren, inwieweit Heilpflanzen hilfreich sein können.

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Indikator unsere Wohlbefindens

Magen und Darm sind allgemein sichere Indikatoren dafür, wie es uns geht. Dort fühlen wir Angst, Kummer, Freude und wie es uns in der Gesamtheit geht. Daher sollten wir RDS als eine Summe von Signalen des Körpers begreifen. So können die Beschwerden Hinweis auf ein tiefer liegendes Problem sein: eine seelische Belastung oder eine andauernde Stresssituation, ein ungeklärter Konflikt. Gehen Sie der Sache auf den Grund: Was bereitet Ihnen Bauchschmerzen?

Auch Entspannungstechniken, autogenes Training oder Yoga könnten Erfolg bringen. Kümmern Sie sich um sich selbst! Dazu gehören Bewegung, Fitness und Wellness sowie das Hinarbeiten auf eine gewisse Robustheit, damit Ihnen in Zukunft nicht alles auf den Bauch schlägt. Zusammengefasst basiert Ihr Maßnahmenpaket auf den fünf Säulen medizinische Grundversorgung, die passende Diät, Medikamente gegen einzelne Symptome, Psychotherapie sowie Fitness und Wellness, um das leidige RDS bald ganz ad acta zu legen.

Das eigentliche Zentrum des Geschehens ist freilich der Darm. Beim RDS ist die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut erhöht, somit weist die schützende Barriere gegen z. B. Fremdstoffe und Krankheitserreger zunehmend Lücken auf. Um den Darm selbst zu wappnen, empfiehlt sich eine probiotische Darmsanierung, weil sie zumindest unterstützend wirken kann. Immerhin können auch Schmerzmittel, die Sie gegen RDS einsetzen, die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Darm auf Dauer negativ beeinflussen. Zudem kann ein aus dem Gleichgewicht gebrachter Darm die Entstehung von Allergien, Intoleranzen und Entzündungen begünstigen. So wie es kein allgemein wirkendes Medikament gegen RDS gibt, kann die Einnahme von Probiotika zum Aufbau der Darmflora nicht direkt gegen bestimmte Symptome wirken. Hier geht es vielmehr um die Basis des Heilungsprozesses, einen Darm, der sich wieder gegen Krankheitserreger und Stressfaktoren schützen kann.

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Artikelbild: © kei907