Diät bei Reizdarm - die 2. Säule der Therapie

Therapeutische Diät bei Reizdarm – die 2. Säule der Therapie

Aktuelle Erkenntnisse aus der RDS Forschung geben Anlass zu neuem Optimismus. Studien kamen zu dem Schluss, dass bei jedem zweiten Betroffenen eine Diät bei Reizdarm bereits eine signifikante Einschränkung der Symptomatik erzielt werden kann.

Wenden Sie diese Zahlen auf Ihre persönliche Situation an, so können sie mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass sich Ihre Beschwerden allein durch die Austestung individueller Nahrungsmittelunverträglichkeiten und deren Berücksichtigung in der täglichen Ernährung auf ein tolerierbares Maß reduzieren lassen. Aber auch wenn dieser günstige Fall nicht eintrifft, so werden Sie dennoch mit Sicherheit Ihre Lebensqualität schon dadurch deutlich steigern, dass Sie die in diesem Kapitel empfohlenen Ratschläge einer leicht verdaulichen Kost als Diät bei Reizdarm befolgen.

Wenn Sie dann noch die Fitness- und Wellness-Tips beherzigen und gegebenenfalls auf eine medikamentöse Unterstützung oder auf eine psychologische Betreuung zurückgreifen, sind Sie auf dem besten Wege zu einer vollständigen Heilung. Die Bedeutung der Ernährung als Trigger funktioneller Magen-Darm-Störungen kann also gar nicht deutlich genug hervorgehoben werden.

Der nächste Therapieschritt: therapeutische Diät bei Reizdarm

Für Ihren nächsten Therapieschritt bedeutet das, nahrungsabhängige Beeinträchtigungen festzustellen und auszuschalten. Es gilt also herauszufinden, welchen Nahrungsmitteln der Verdauungstrakt mit Unverträglichkeitsreaktionen begegnet und welche Mengen erforderlich sind, um diese Reaktionen auszulösen.

Stellen Sie einen Zusammenhang zwischen einem bestimmten Lebensmittel und Ihren Symptomen fest, so ändern Sie Ihren Speiseplan dementsprechend um. Übrigens gilt es zu bedenken, dass nahrungsmittelabhängige Beschwerden keine intestinalen Schäden verursachen können, sondern immer nur zu vorübergehenden Beeinträchtigungen führen (mit Ausnahme einiger seltener Nahrungsmittel-Allergien). Grund zu übertriebener Sorge besteht also auch bei langfristiger Fehlernährung nicht. Eine Diät bei Reizdarm verzeiht also Ausrutscher, auch wenn die Strafe dafür ggf. unangenehme Symptome sind.

Ziel Ihrer persönlichen Diät bei Reizdarm ist es, für einen Zeitraum von 6-12 Wochen möglichst beschwerdefrei zu sein. Während dieser Zeit werden Sie nicht nur ein vermutlich lange vermisstes positives Lebensgefühl wiederentdecken, sondern Sie erlauben Ihrem Körper auch, sich von seiner übertriebenen Wahrnehmung – insbesondere in Bezug auf Schmerzen und Verdauungsvorgänge – zu entwöhnen.

Diese Desensibilisierung ist ein wichtiger Bestandteil Ihrer Therapie und kann nur gelingen, wenn Sie es schaffen, die nahrungsbedingten Störungen für eine gewisse Zeit zu unterbinden. Ein weiterer Aspekt ist, dass sich während dieses Zeitraums die angeschlagene Darmschleimhaut regenerieren kann, was einen besonders positiven Effekt auf die dort lokalisierte Enzymaktivität und damit insbesondere auf die Verträglichkeit von Kohlenhydraten hat.

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Diät bei Reizdarm

Die physiologische Wirkung der für den RDS Patienten bedeutsamsten Ernährungs Trigger kennen Sie bereits aus dem Artikel „Reizdarm Auslöser und Verstärker“. Nun erfahren Sie, wie Sie Ihre individuellen Problemauslöser feststellen und mit welchen Maßnahmen Sie Ihre Diät bei Reizdarm angehen müssen.

Das Wort „Diät“ bedeutet übrigens nichts anderes als „Ernährung“ und ist nicht automatisch mit Kalorienreduktion, Gewichtsabnahme oder Verzicht gleichzusetzen. Falls Ihre persönliche Reizdarm Diät aufgrund zahlreicher Unverträglichkeiten etwas kärglich ausfallen sollte, so seien Sie phantasievoll bei der Auswahl und Zubereitung Ihrer Mahlzeiten und trösten Sie sich mit dem Gedanken, dass Ihnen nach erfolgreicher Desensibilisierung eine sehr viel umfangreichere und vor allem bekömmlichere Speisenpalette zur Verfügung steht.

Diät bei Reizdarm – das gibt es zu beachten

Sie haben bereits erfahren, dass Ihre Beschwerden ganz unterschiedliche Auslöser haben können. Im Folgenden möchten wir nochmals auf die einzelnen Auslöser, ihre Auswirkungen auf die Ernährung bei Reizdarm und ihre damit verbundene Rolle in der Diät bei Reizdarm eingehen.

Kohlenhydratunverträglichkeit Ernährung bei Reizdarm: Ballaststoffe Fettarme Ernährung bei RDS

Diät bei Reizdarm – Was Sie sonst alles bachten sollten

Die wichtigsten RDS Trigger und Gegenmaßnahmen zu deren Eindämmung kennen Sie nun bereits. Es gibt aber noch eine Reihe weiterer Punkte, die Sie besonders in den ersten 2-3 Monaten Ihrer Diät bei Reizdarm beachten sollten, um Ihre Beschwerden dauerhaft zu minimieren. Sehen Sie in Ruhe die nachfolgenden Aufstellungen durch und entscheiden Sie für sich, welche Ratschläge und Maßnahmen Sie in Ihrer persönlichen Reizdarm Diät berücksichtigen sollten. Alle anderen haken Sie einfach als erledigt ab.

Lernen Sie mögliche Trigger kennen,

aber vermiesen Sie sich nicht die Freude am Genuss!

Allgemeine Hinweise: Die Ernährung bei Reizdarm

  • Auch Natriumglutamat, ein weit verbreiteter Nahrungsmittelzusatz, der vor allem in der chinesischen Küche Verwendung findet, kann bei empfindlichen Menschen Beschwerden verursachen.
  • Erweisen sich Ihre Beeinträchtigungen als besonders hartnäckig, dann kann eine weitere Abklärung bezüglich Nahrungsmittelallergien für die Diät bei Reizdarm nützlich sein.
  • Auch Pseudo-Allergien wie z. B. die Histaminintoleranz können RDS Symptome auslösen und lassen sich durch die übliche Diagnostik nicht nachweisen. Beschwerden nach dem Verzehr von Rotwein, Sauerkraut, hefehaltigen Lebensmitteln, Thunfisch oder alten Käsesorten können ein Hinweis darauf sein.
  • Bei geringgradigen Beschwerden lohnt eine übertriebene Diät bei Reizdarm nicht. Lernen Sie mögliche Trigger kennen, aber vermiesen Sie sich nicht die Freude am Genuss.
  • Bemühen Sie sich – auch wenn es schwierig erscheint – trotz oder wegen einiger Einschränkungen um eine ausgewogene und nährstoffreiche Diät.
  • Zumindest theoretisch kann jedes Nahrungsmittel beim Einzelnen Beschwerden hervorrufen. Wenn Sie ganz sicher sind, ein bestimmtes Lebensmittel nicht zu vertragen, ohne zu wissen weshalb, dann lassen Sie es aus.
  • Magentee aus Lavendel, Kamille, Pfefferminz oder Fenchel sowie eine Wärmflasche auf dem Bauch verschaffen Linderung an beschwerdereichen Tagen.
  • Vermeiden Sie übermäßigen Genuss einzelner Lebensmittel und identifizieren Sie Mangelernährung. Abwechslung tut gut, probieren Sie daher öfter etwas Neues aus.
  • Gehen Sie sparsam mit scharfen Gewürzen wie Pfeffer, Curry und Chili um.

Spezielle Ernährungstips

  • Meiden Sie blähende Lebensmittel wie Artischocken, Beerenobst, Feigen, Hefe, Steinobst. Auch folgende Speisen verursachen bei einigen RDS Patienten Beschwerden: Bananen, Kartoffeln, Schalentiere, Mais, Weintrauben, Nougat, Marzipan, Weizen, Hafer.
  • In schweren Zeiten helfen Tee, Zwieback und Reissuppe.
  • Besonders bei Reizmagen verstärken Citrusfrüchte und daraus hergestellte Getränke wegen ihres Säuregehaltes die Symptomatik. Meiden Sie auch in jedem Fall Apfelsaft.
  • Reduzieren Sie starken Zuckerkonsum. Gemeinsam mit Vollgetreide kann er zu Blähungen führen.
  • Auch eine Einschränkung beim Verzehr künstlicher Süßstoffe hat bei vielen RDS-Patienten einen positiven Effekt.

Getränke bei RDS

  • Besonders empfehlenswert sind ungesüßte Kräutertees, warm und kalt. Kleiner Tip: Morgens eine Kanne Tee aufgießen und über den Tag verteilt trinken.
  • Ebenfalls gesundheitsfördernd ist kohlensäurearmes, zimmertemperiertes Mineralwasser.
  • Nur in Maßen genießen sollten Sie Fruchtsäfte.
  • Ungünstig und daher – wenn überhaupt – nur in kleinen Mengen empfehlenswert sind: Kaffee, Schwarzer Tee, kohlensäurehaltige Getränke, stark gezuckerte Getränke (Cola, Limonade) und Alkohol.

Die lieben Sünden – Alkohol, Koffein, Nikotin

  • Alkohol am besten nur in kleinen Mengen und vor allem niedrig-prozentig genießen. Studien belegen einen direkten Zusammenhang zwischen regelmäßigem Alkoholkonsum und Durchfall. Zur Abschreckung: Da Alkohol die Fettverbrennung bremst, führt er bei Energieüberschuß direkt zu Gewichtszunahme.
  • Koffein kann ein Haupt-Trigger bei RDS sein. Stellen Sie den Kaffee- und Cola-Konsum am besten von heute auf morgen ein, da Sie in diesem Fall am deutlichsten die positive Wirkung auf Ihre Verdauung verspüren. Der „therapeutische Effekt“ ist bei dieser Entwöhnungs-Variante am größten, so dass Sie dieses Genussmittel nach 1-2 Wochen – wenn überhaupt noch – sehr viel bewusster und seltener verwenden.
  • Nikotin verstärkt besonders die Symptome eines Reizmagens. Denken Sie über eine Reduktion Ihres Zigarettenkonsums nach oder stellen Sie als Zeichen eines gesundheitlichen Neuanfangs das Rauchen ganz ein. Kostenlose Hilfestellung geben Ihnen dabei die meisten Krankenkassen.

Essregeln – keine Erziehungsmaßnahme, sondern sinnvolle Hilfe

Diese Regeln gelten insbesondere während der Diät bei Reizdarm, schaden aber auch dem gesunden Menschen!

  • Richten Sie Ihre Mahlzeiten ansprechend her und nehmen Sie sich Zeit zum Essen.
  • Essen Sie langsam und achten Sie darauf, wie lange Sie für einen Bissen brauchen. Je länger Sie an einem Stück kauen, um so besser ist es für den Magen vorbereitet.
  • Wer beim Essen redet, arbeitet, fernsieht oder liest, der isst meist schneller und nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit. Schlingen Sie Ihre Mahlzeiten nicht hinunter, um schnellstmöglich wieder einer anderen Tätigkeit nachgehen zu können.
  • Optimal für eine gesunde Verdauung sind fünf Mahlzeiten pro Tag, davon drei große (Morgens, Mittags, Abends) sowie zwei Zwischenmahlzeiten. Je umfangreicher eine einzelne Mahlzeit ist, um so größer ist die Verdauungsarbeit, die Ihr Körper dazu leisten muss.
  • Meiden Sie zu heiße und zu kalte Speisen.
  • Trinken Sie ausreichende Mengen Flüssigkeit. Dies wirkt einer Verstopfung entgegen und gleicht bei Durchfall einen Mineralstoffmangel aus.
  • Kurz vor, während oder nach einer Mahlzeit sollten Sie wenig oder gar nichts trinken, um die Magensäure nicht unnötig zu verdünnen und damit die Verdauungsarbeit nicht zu behindern. Versuchen Sie möglichst zeitversetzt zu Essen und zu Trinken. Auch dem volumenbedingten Völlegefühl nach dem Essen beugen Sie so vor.
  • Wenn Sie auswärts essen: „Sünden“ oder Ausschweifungen lassen sich nicht immer verhindern, und dazu besteht auch kein Grund. Schließlich leiden Sie nicht an einer Krankheit, die Ihnen bei Diätfehlern irreparablen Schaden zufügt. Geselliges Beisammensein und Abwechslung steigert Ihre Lebensqualität und –freude und hilft Ihnen auf diese Weise, Ihre Probleme zu bewältigen. Es liegt an Ihnen, einen Mittelweg zu finden zwischen diesem Aspekt und den Beeinträchtigungen, die Sie durch ungünstige Ernährung erleiden. Vielen Betroffenen hilft es, bereits vor einem Ereignis eine Kleinigkeit zu essen oder sich etwas mitzubringen. Und auch am Arbeitsplatz gilt: Lieber eine eigene Mahlzeit, erstrecht während der Diät bei Reizdarm, mitbringen als sich in der Kantine regelmäßig den Magen zu verderben.

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Artikelbild: © kei907

Weiterführende Informationen

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