Fructoseintoleranz - Bloß kein Obst

6. Fruktoseintoleranz: Bloß kein Obst!

Gesunde Schleimhäute schützen uns vor Krankheitserregern. Sind sie jedoch nicht intakt, funktioniert diese Barriere nicht mehr. Das gilt auch für den Darm. Da unser größtes Organ in direkter Verbindung mit dem Immunsystem steht, wirkt sich jede Veränderung im Darm auf unser allgemeines Befinden aus. Ist die Funktion der Darmschleimhaut dauerhaft beeinträchtigt, kann es sogar zu Allergien kommen. Weit häufiger sind jedoch Unverträglichkeiten: Nahrungsmittelintoleranzen. Oft muss gemieden werden, was eigentlich gesund ist, etwa Obst bei einer Fruktoseintoleranz.

Fructoseintoleranz – die Unterschiede

Aber auch hier gibt es Unterschiede. Eine angeborene (hereditäre) Fruktoseintoleranz, die mithilfe eines Gentests diagnostiziert wird und nicht behandelbar ist, erfordert eine lebenslange Diät. Eine Fruktosemalabsorption dagegen ist kein statischer Zustand, denn hier geht es um die begrenzte Aufnahmefähigkeit der Fruchtzuckermoleküle, die aber ausgeweitet werden kann. Ein wenig problematischer in der Befundung wird es, wenn zum Beispiel eine Laktoseintoleranz mit einer Fruktosemalabsorption einhergeht und oft die gleichen Symptome hervorruft – bis ein H2-Atemtest Klarheit bringt.

Liegt eine Intoleranz vor, sollte nach einer anfänglichen Diät und probiotischen Darmsanierung zur Darmberuhigung nicht gänzlich auf Fruchtzucker verzichtet werden, um die Empfindlichkeit nicht noch zu steigern. Diese Rechnung geht jedoch nur auf, wenn der Darm in der Balance ist und über eine gesunde Darmflora verfügt.

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Bei einer Fruktosemalabsorption werden die Zuckermoleküle nicht in Einzelteile zerlegt, bevor sie in den Darm gelangen und das ist ein Transportproblem: Es fehlt das „Shuttle“, das Eiweiß GLUT 5, das die Moleküle durch die Darmwand transportiert. Verfügt der Körper nicht über genügend dieser Carrierproteine, wird Fruktose stattdessen im Darm von Mikroorganismen abgebaut – leider bei Bildung von Kohlendioxid, Methan und kurzkettigen Fettsäuren, was zu den typischen Symptomen bei Fruktosemalabsorption führt: unter anderem Kopfschmerzen, Bauchkrämpfe, Durchfall, Blähungen, Übelkeit, sogar Erbrechen.

Eine weitere Folgeerscheinung ist die Dysbiose und sie ist das eigentliche Problem: Wenn die Darmschleimhaut „kippt“, also nützliche Darmbakterien verschwinden zugunsten von schädlichen, ist das Fundament unserer Gesundheit betroffen. Das betrifft die Nährstoffaufnahme, die Zusammenarbeit des Darms mit dem Immunsystem, die Abwehr von Schadstoffen und Keimen und schließlich kommt es zum Leaky-Gut-Syndrom, einer durchlässigen Schleimhaut. Außerdem machen dem Körper die Abbaubaustoffe zu schaffen, die z. B. Colibakterien im Darm produzieren. Wichtig ist in einer solchen Krise die Versorgung mit Tryptophan, Kupfer und Zink. Eine Darmeinigung und die Einnahme von wirksamen Probiotika zur Besiedlung des Darms bewirken, dass sich später wieder günstige Bakterienkulturen vermehren.

Das hat auch Einfluss auf eine Fruktoseintoleranz: Nach einer Besserung spüren Sie nicht mehr jeden Bissen Apfel oder Birne, merken aber bald, wann die Resorptionsfähigkeit Ihrer Darmwand erreicht ist. Deswegen ist es unsinnig, feste Empfehlungen etwa zu verträglichen Mengenangaben zu nennen, zumal dieser Wert nie statisch ist. Da die Darmflora nur bei einer darmfreundlichen Ernährung im Gleichgewicht bleibt, sollten Sie Ihre Lebensweise überdenken.

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Augen auf beim Einkaufen

Ganz gleich, ob ganz oder zeitweise Diät gehalten werden muss: Beim Einkauf müssen Zutatenlisten genau studiert werden. Neben Fruchtzucker ist auch der Zuckerersatzstoff Sorbit gestrichen, weil er die Transporteiweiße GLUT 5 blockiert. Die Lebensmittelindustrie setzt recht fantasievoll für viele Lebensmittel eine Vielzahl von Zuckerarten ein – selbst für Produkte, wo dies zunächst nicht naheliegt wie Fruchtzucker in der Grillsoße oder in Fertigsuppen. Vor allem in Light-Produkten findet sich Fruchtzucker. Der sicherste Weg ist das Zubereiten von frischen, selbst ausgewählten Zutaten.

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Artikelbild: © kei907