Glutenunverträglichkeit und Zöliakie

7. Glutensensitivität, Weizenallergie oder Zöliakie?

Zöliakie betrifft nach Datenlage nur wenige Menschen, lediglich ein bis zwei Prozent. Sie kann ebenso ärztlich diagnostiziert werden (Gastroskopie mit Dünndarmbiopsie) wie eine Weizenallergie (Pricktest). Im ersten Fall muss lebenslang auf glutenhaltige Nahrungsmittel, im zweiten Fall nur auf weizenhaltige Nahrungsmittel verzichtet werden. Weit häufiger dagegen kommt die Glutenunverträglichkeit (Glutensensitivität) vor. Sie kann unterschiedlich ausgeprägt sein und eine Behandlung so günstig verlaufen, dass glutenhaltige Nahrungsmittel wieder ganz oder zumindest phasenweise vertragen werden.

Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit – die Auswirkungen

Die Zöliakie oder eine Glutenunverträglichkeit werden oft gar nicht oder nicht früh genug erkannt. Viele Betroffene erhalten die Diagnose erst, wenn bereits massive Beschwerden auftreten wie Magen- oder Darmentzündungen: Sie sind die Folge einer aus der Balance gebrachten Darmflora. Durch Stress, Medikamente oder eine unbehandelte Unverträglichkeit vermehren sich nicht mehr jene probiotische Darmbakerien in ausreichender Zahl, die die Schleimhäute vor Krankheitserregern schützen und es kommt zu Infekten.

Gleichzeitig bilden sich die Darmzotten zurück: jene Ausstülpungen im Darm, die erst ermöglichen, eine Gesamtfläche von 400 Quadratmetern Darmschleimhaut zusammenzubringen. Entsprechend werden weit weniger Nährstoffe aufgenommen und verwertet. Daher sind typische Symptome neben Gewichtsverlust auch Mangelerscheinungen, z. B. durch fehlende Vitamine, Zink oder Eisen.

Wo Folgeerkrankungen durch Gluten ihren Anfang nehmen, kann auch bei der Behandlung angesetzt werden. Begleitend zu einer rigiden, glutenfreien Diät – die bei Glutensensitivität später wieder aufgeweicht werden kann – sollte eine probiotische Darmsanierung erfolgen. Nur so können die Schleimhäute heilen und genügend „gute“ Milchsäurebakterien und Hefen bereitstellen, um Krankheitserreger einzudämmen, entzündliche Prozesse nachhaltig zu stoppen und die Balance im Darm wieder herzustellen.

Milliarden von „freundlichen“ Mikroorganismen in Ihrer Darmflora sind die beste Unterstützung, um Beschwerden zu lindern.

Die probiotische Darmsanierung ist umso wichtiger, wenn die Diagnostik etwas dauert – die Spurensuche aufgrund von scheinbar allergischen Reaktionen kann sich im ungünstigen Fall über Jahre hinziehen. Rüsten Sie also derweil auf und bringen Sie Ihre kleinen Beschützer in Stellung: Milliarden von „freundlichen“ Mikroorganismen in Ihrer Darmflora sind die beste Unterstützung, um Beschwerden zu lindern. Da es nicht möglich ist, allein über probiotische Lebensmittel wie Joghurt die Darmflora aufzubauen, ist es notwendig, verschiedene Kulturen der nützlichen Mikroorganismen in ausreichender Zahl einzunehmen, die unbeschadet durch die Magensäure auch im Darm ankommen.

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Fortschritt gegen die Gesundheit

Doch wieso reagiert der Körper so feindselig auf einen Stoff, der doch seit jeher Teil unserer Ernährung war? Im Zuge des Ausbaus der industriellen Lebensmittelproduktion wurden Getreidesorten, allen voran Weizen, so gezüchtet, dass sie höhere Erträge bringen und einen höheren Gehalt des Klebereiweiß Gluten aufweisen. Damit wurden die Mehle back- und somit industriefreundlicher. Jedoch nicht gesünder. Unser Immunsystem hatte keine Zeit, sich dieser Entwicklung anzupassen und stuft Gluten bei Betroffenen als zu bekämpfenden Fremdkörper ein.

Wenn Sie nicht gänzlich auf Getreide verzichten wollen, können Sie Weizen, Roggen, Hafer, Grünkern, Gerste & Co. ersetzen durch z. B. Amaranth, Buchweizen, Johannisbrotkern, Quinoa, Reis oder Mais. Naschereien lassen sich aus Mandel- und Nussmehl backen, sofern keine Histaminintoleranz vorliegt. Zöliakiekranke werden sich lebenslang auf diese Sorten einstellen müssen. Doch da die Zahl der Betroffenen steigt, finden sich immer mehr Menschen, die leckere Rezepte entwickeln und veröffentlichen, auch der Handel hat längst reagiert und bietet zahlreiche glutenfreie Produkte an. Einige Mediziner diskutieren sogar, dass man sich zugunsten der Darmgesundheit generell glutenfrei oder -arm ernähren sollte. Basis der Gesundheit ist in jedem Fall eine funktionierende Darmflora. Wer sich glutenarm oder glutenfrei ernährt, sollte eine hinreichende Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sicherstellen. Hilfreich hierzu ist die Schulung mittels spezieller Kochkurse, aber auch die Verwendung eines Supplements (Nahrungsergänzungsmittels) für Menschen mit Glutensensitivität, Zöliakie und Weizenallergie.

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Artikelbild: © kei907