Histaminintoleranz

8. Histaminintoleranz: Wenn die Nase juckt

Immer mehr Menschen kennen diese Symptome auch außerhalb einer Erkältung: Es beginnt mit einem Kribbeln im Gaumen oder Kratzen in Hals, mit Jucken in Nase und Ohren, die Augen tränen, Niesanfälle setzen ein und Fließschnupfen, der über Stunden andauern kann. Naheliegend sind Heuschnupfen, Hausstauballergie oder ähnliche Allergien. Es dauert eine Weile, bis Betroffene und Ärzte die Symptome auf die Nahrung zurückführen, vor allem bei Symptomen wie Müdigkeit, Herzrasen und Schwindel. Näher liegt die Vermutung bei Übelkeit, Durchfall und Darmkrämpfen.

Für Betroffene – zu zwei Drittel sind es Frauen – ist es eine Erleichterung, wenn sich nach einem Bluttest herausstellt, was die Ursache für so vielfältige Probleme ist. Eine Histaminintoleranz kann in selteneren Fällen angeboren oder mit einer Zöliakie verbunden sein, dann besteht sie lebenslang. Sie kann aber auch nur zeitweise auftreten (z. B. nach Medikamenteneinnahme) oder erst mit der Zeit entstehen.

Histaminintoleranz – was ist das eigentlich?

Histamine sind körpereigene Botenstoffe. Sie flitzen zum Beispiel zwischen den Nervenzellen hin und her, um Informationen zum Wach-Schlaf-Rhythmus zu überbringen. Viele kennen sie als Kontrolle aus dem Prick-Test: Bei Histamin erfolgt stets eine Hautrötung. Im Darm werden die Histamine abgebaut, die mit der Nahrung aufgenommen werden. Was eine Diät zunächst schwierig macht: Histamine kommen in ganz alltäglichen Lebensmitteln vor. Besonders hoch ist ihr Gehalt in gereiftem Käse, in Nüssen, in lang gegartem Fleisch (Braten), in Kakaoprodukten wie Schokolade, in bestimmten Gemüsen wie Spinat, in Obst wie Erdbeeren oder Zitrusfrüchten oder in Genussmitteln wie Kaffee und Wein.

Zum Abbau ist das Enzym DiAminOxidase (DAO) notwendig, das wiederum auf die Vitamine B6 und C und auf Zink, Kupfer und Magnesium angewiesen ist. Deren Aufnahme ist jedoch nur in einer gesunden Darmflora gegeben, in einer Umgebung mit genügend probiotischen Mikroorganismen. Wenn nicht genügend DAO vorhanden ist, beispielsweise aufgrund einer Erkrankung des Darms, kommt es zum Histaminüberschuss im Blut und das Immunsystem reagiert. Eine probiotische Darmsanierung ist deshalb das A und O in der Therapie, ganz gleich, ob zu viel Zucker und Weißmehl die Intoleranz ausgelöst haben, die Einnahme von Antibiotika oder dauerhafte Beeinträchtigungen der Darmflora durch nicht behandelte Intoleranzen und Entzündungen. Ein Ungleichgewicht der Kräfte im Darm bewirkt die Bildung von noch mehr Histamin.

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Histaminintoleranz – und jetzt?

Eine Behandlungsform ist die Einnahme von Histaminblockern, die eigentlich bei Allergien eingesetzt werden. Entstand die Intoleranz jedoch durch Störungen im Darm, kann eine probiotische Darmsanierung Heilung bringen und in anderen Fällen unterstützend wirken. In jedem Fall ist die Ergänzung der DAO-Cofaktoren Zink, Kupfer, Magnesium sowie Vitamin B6 und C mittels eines Nahrungsergänzungsmittels anzuraten. Auch ein durcheinander geratener Serotonin-Haushalt, der infolge eines Tryptophanmangels bei Darmstörungen auftritt, sollte Berücksichtigung finden. Nach der Diät kann eine nachhaltige Ernährungsumstellung erfolgen, um den Darm nicht wieder aus dem Gleichgewicht zu bringen. Sonst wird die Histaminintoleranz ein Dauerthema.

Auch wenn die Histaminintoleranz keine Allergie ist: Sie kann zu ernst zu nehmenden Problemen führen, da sie auch Bluthochdruck und Herzrasen verursacht. Eine ärztliche Diagnose, eine entsprechende Diät und Behandlung ist daher umso wichtiger. Nach der Therapie und bei einer gesunden Darmflora kann die Histaminintoleranz in den meisten Fällen überwunden werden.

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Artikelbild: © kei907