Mundgeruch – Peinliches Tabu

Ein unangenehmes Thema: Wenn jemand Mundgeruch hat, möchte man es ihm nicht sagen. Und falls man es doch tut, ist der Betroffene meist peinlich berührt und empfindet vielleicht sogar Scham. Dabei kann er in den meisten Fällen gar nichts dafür, ja nimmt den unangenehmen Geruch nicht einmal wahr. Was genau versteht man eigentlich unter „Mundgeruch“?

Mundgeruch – Was genau ist das?

Mit Mundgeruch ist nicht der nach Knoblauch riechende Atem nach dem Genuss eines Döners gemeint oder die „Fahne“ nach Bier- oder Weingenuss. Es gibt zwei Arten von „echtem“ Mundgeruch:

  • Foetor ex ore oder Kakostomie: Der unangenehme Geruch ist beim Ausatmen durch den Mund wahrnehmbar.
  • Halitosis: Der Geruch ist auch wahrnehmbar, wenn der Betroffene bei geschlossenem Mund durch die Nase ausatmet.

Der Mundgeruch hat einen Platz im weltweit anerkannten Diagnoseklassifikations-System der Medizin, abgekürzt: ICD-10. Er findet sich dort als Punkt 6 im Kapitel R19: Sonstige Symptome, die das Verdauungssystem und das Abdomen (den Bauch) betreffen. Kommt also Mundgeruch aus dem Bauch? Nicht unbedingt, es gibt eine ganze Reihe von möglichen Ursachen.

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Mundgeruch von den Zähnen

Eine häufige Ursache für Mundgeruch liegt zwischen den Zähnen. Eine schlechte Zahnpflege ruft eine Vielzahl von verschiedenen Fäulnisbakterien auf den Plan, die sich daran machen, Nahrungsrückstände zu vertilgen, die sich zwischen den Zähnen befinden. Dabei bevorzugen sie Fisch und Milchprodukte. Die bei der Zersetzung entstehenden Schwefelverbindungen verursachen einen strengen, unangenehmen Geruch.
Hat sich unbemerkt eine Entzündung des Zahnfleischs entwickelt, kann diese ebenfalls mit Mundgeruch einhergehen.

Hieraus ergibt sich schon, dass eine sorgfältige Zahnpflege und regelmäßige Besuche beim Zahnarzt eine wichtige Vorbeugung gegen Mundgeruch sind. Im Mund kann noch eine weitere Ursache für Mundgeruch liegen.

Übler Belag: Die Zunge

Die Erkenntnis, dass bakterielle Zungenbeläge Mundgeruch verursachen können, ist erst seit einigen Jahren ins Blickfeld der westlichen Medizin gerückt. Mit normaler Mundhygiene lassen sich zwar die Beläge im vorderen Bereich beseitigen. Jedoch bilden sich manchmal Beläge in dem Bereich der Zunge, der bis in den Rachen hineinreicht. Diese Beläge können Mundgeruch verursachen. Einfluss hat hier vor allem die Ernährung.

In der chinesischen und indischen Medizin gibt die Zunge wichtige Hinweise auf den Gesundheitszustand des Patienten. Aus der Beschaffenheit und Farbe des Zungenbelags schließen die Ärzte auf Unverträglichkeiten und Erkrankungen. Dementsprechend wird die Zunge gepflegt. Die Zungenreinigung ist einfach und gehört auch in unseren Breiten für viele Menschen zur täglichen Körperpflege: Mit einem Löffel oder einem speziellen Zungenschaber wird  der Belag von den Seiten, der Mitte und dem hinteren Bereich der Zunge abgeschabt. Das Instrument wird danach unter fließendem Wasser abgespült.

Gute Erfahrungen gibt es mit Kamillentee: Er wirkt sanft desinfizierend und kann, mehrmals täglich als Gurgellösung angewendet, die Bakterien vermindern. Die Ursache für Mundgeruch kann aber auch tiefer zu finden sein.

Aus dem Bauch heraus: Mundgeruch vom Darm?

Banner_Abdigest_klein300_2017Mundgeruch kann auch ein Hinweis auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit sein. Hier sind besonders Laktoseintoleranz und Fructoseintoleranz zu nennen. Diese Unverträglichkeiten können sich schleichend entwickeln. Das heißt, Betroffene merken oft erst spät, dass ihr Darm durch den Verzehr von Fruchtzucker oder Milch überlastet ist. Die unverdaulichen Zuckermoleküle wandern vom Dünndarm in den Dickdarm, wo sie von Bakterien zersetzt werden. Dabei entstehen Gase, die teils als Blähungen, teils beim Ausatmen abgegeben werden. Es lohnt sich also, auch diese Möglichkeit als Ursache für Mundgeruch in Betracht zu ziehen.

Mundgeruch – Was hilft?

In jedem Fall sollte man Mundgeruch ernstnehmen und zunächst die eigene Ernährung sowie die Mundhygiene unter die Lupe nehmen. Der Zahnarzt sowie der Hausarzt sind für dieses heikle Problem die ersten Ansprechpartner. Auch ein Besuch beim HNO-Arzt kann sich lohnen, besonders dann, wenn der Mundgeruch beim Ausatmen durch die Nase auftritt (Halitosis). Wer jetzt wissen möchte, ob er Mundgeruch hat, muss nicht sofort den Partner oder die Nachbarin anhauchen. Ein Selbsttest ist auf verschiedene Art möglich.

Mundgeruch selber feststellen

Ein „Mundgeruch-Test“ ist nicht aufwendig und geht schnell. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

  • Auf die gewaschene und getrocknete Haut des Handrückens mit dem hinteren Teil der Zunge entlangfahren. Nach einer halben Minute ist der Speichel getrocknet und man kann seinen Geruch feststellen.
  • Zahnseide ist in den meisten Haushalten vorhanden, denn sie gehört zur sorgfältigen Mundhygiene. Wenn die Zahnseite nach dem Reinigen der Front- und Backenzähne keinen unangenehmen Geruch verströmt, besteht im Bezug auf Mundgeruch wahrscheinlich Entwarnung.
  • Man kann auch etwas Speichel in ein kleines Glas geben, das danach für fünf Minuten abgedeckt stehen bleibt. Der Geruch des Speichels gibt danach einen Hinweis auf eventuell vorhandenen Mundgeruch.

Doch wie verhält man sich am besten, wenn der Kollege oder ein Familienmitglied seit längerem einen auffallenden Mundgeruch verströmt?

Mundgeruch: Wie sag ich’s dem Kollegen?

„Freundschaft ist, dem anderen auch zu sagen, wenn er aus dem Mund riecht“, dieses Sprichwort fasst zusammen, dass das Thema Mundgeruch für Betroffene und ihre Mitmenschen recht heikel ist. Deshalb hier noch ein Tipp zur Kommunikation. Stellt man bei jemandem schlechten Atem fest, hat man zwei Möglichkeiten: Schweigen oder Sprechen. Letzteres ist die faire Lösung, denn vielleicht ahnt der Betroffene ja gar nicht, warum ihm Menschen aus dem Weg gehen.  Man sollte dieses Gespräch unter vier Augen führen und sich möglichst neutral ausdrücken. Fügt man hinzu, wie sehr man den die Person allgemein  schätzt und mag, mildert das die unangenehme Situation für beide ab. Solch ein aufrichtiger Hinweis ist ein Zeichen persönlicher Wertschätzung.

Bildnachweis: © Christoph Hähnel – Fotolia.com
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Artikelbild: © kei907

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