Zöliakie: Bitte kein Gluten

Jeder Hundertste Deutsche leidet unter einer Zöliakie, bei vielen Betroffenen bleibt die Erkrankung jedoch unentdeckt. Wie ist das möglich?
Wenn Babys sich schlecht entwickeln, zieht der Arzt frühzeitig eine Zöliakie in Betracht. Das bedeutet, dass ihr Darm kein Gluten – ein Bestandteil von Weizen und anderen Getreidesorten – aufnehmen kann. Schwere Durchfälle, Eisenmangel und Gedeihstörungen führen den Arzt auf die richtige Fährte.
Wenn jedoch Jugendliche und Erwachsene an Bauchschmerzen, Gewichtsverlust und Durchfall leiden, kann es bis zur Diagnose der Zöliakie mehrere Jahre dauern. Grund dafür ist die Eigenheit der Zöliakie, sich „Tarnkappen“ in Form von unspezifischen Symptomen und chronischen Erkrankungen überzustreifen.

  • Blutarmut
  • Depression
  • Depression
  • Erschöpfung
  • Eisenmangel
  • Krämpfe
  • Leberentzündung
  • Müdigkeit
  • Müdigkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Taubheitsgefühl in Händen und Füßen
  • Unfruchtbarkeit
  • Übergewicht
  • Verstopfung

Chronische Erkrankungen, die durch eine unentdeckte Zöliakie verursacht sein können:

  • Arthritis
  • Gelenkbeschwerden
  • Hauterkrankungen
  • Osteoporose
  • Psychiatrische Erkrankungen
  • Schilddrüsenerkrankungen

Es gibt eine genetische Veranlagung zur Zöliakie, deshalb tritt sie oft familiär gehäuft auf. Da wundert es nicht, dass sie eher bei Betroffenen entdeckt wird, in deren Verwandtschaft bereits jemand an Zöliakie erkrankt ist.

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Zöliakie: Der Darm mag kein Gluten

Zöliakie ist eine entzündliche Erkrankung, die durch das Klebereiweiß Gluten ausgelöst wird. Nimmt der Betroffene Weizenbrot oder Nudeln zu sich, wird dadurch im Körper eine Abwehrreaktion ausgelöst, vergleichbar mit einer allergischen Reaktion. Sie richtet sich gegen das Gluten, greift jedoch auch den Darm an. Dabei wird die empfindliche Schleimhaut der Darmzotten angegriffen und zerstört. Die Aufnahme von wichtigen Nährstoffen wird dadurch behindert und es kann zu schweren Mangelzuständen kommen. Doch wie wird eine Zöliakie diagnostiziert?

Spurensuche: Diagnose der Zöliakie

Die Zöliakie wird durch zwei Verfahren festgestellt:

  • Die Blutuntersuchung, in der Antikörper auf Gluten nachgewiesen werden.
  • Die Dünndarmbiopsie, bei der eine kleine Gewebeprobe aus dem Dünndarm entnommen und untersucht wird.

Die Zöliakie kann in verschiedenen Ausprägungen auftreten: Manchmal sind im Blut Antikörper nachweisbar, jedoch haben die Patienten nur wenig oder keine Beschwerden, denn ihr Darm ist weitgehend unversehrt.

Eine Heilung für die Zöliakie gibt es bisher nicht. Das heißt, dass Betroffene lebenslang alle Produkte, in denen Gluten enthalten ist, strikt meiden müssen. Schon kleinste Spuren des Klebereiweißes können das Immunsystem des Körpers aktivieren, so dass es sich gegen den Dünndarm richtet. Diese Umstellung des Speiseplans erfordert anfangs viel Aufmerksamkeit, wird jedoch bald zur Gewohnheit werden.

Speiseplan bei Zöliakie: Alternativen finden

Das Klebereiweiß Gluten ist in verschiedenen Getreidesorten enthalten:

  • Weizen
  • Roggen
  • Gerste
  • Hafer

Weniger bekannte Getreidesorten, die Gluten enthalten:

  • Bulgur
  • Couscous
  • Dinkel
  • Einkorn
  • Emmer
  • Grünkern
  • Kamut
  • Triticale

In diesen Zubereitungen versteckt sich häufig Gluten:

  • Gerstenmalz (Süßungsmittel)
  • Seitan (In der japanischen Küche als Fleischersatz verwendet)
  • Sojasauce
  • Fertiggerichte: Soßen, Suppen, Marinaden, Würzmittel
  • Pommes Frites und Kartoffelpuffer (aus der Gefriertruhe oder im Restaurant)
  • Malzkaffee
  • Bier
  • Fettreduzierte Milchprodukte
  • Abgepackter geriebener Käse
  • Fertige Milch- und Joghurtzubereitungen mit Früchten

Die Verbotsliste ist recht lang, doch auf Backwaren, Nudeln und Frühstücksflicken müssen Betroffene dennoch nicht verzichten. Der sicherste Weg ist es, so viel wie möglich selbst herzustellen. Die folgenden Getreidesorten sind frei von Gluten und deshalb unbedenklich.

  • Amaranth
  • Buchweizen
  • Hirse
  • Mais
  • Quinoa
  • Reis

Weitere glutenfreie Nahrungsmittel:

  • Gemüse Saft und Obst: Unverarbeitet
  • Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Nüsse
  • Fleisch: Unverarbeitet, unpaniert
  • Fisch, Meeresfrüchte: Unverarbeitet, unpaniert
  • Milch und Milchprodukte: Alle natürlichen Varianten
  • Fettreduzierte Produkte
  • Eier
  • Zucker, Honig, Marmelade, Ahornsirup
  • Kaffee, Tee, Wasser, reine Fruchtsäfte

Bei losen Nahrungsmitteln wie Brot oder Brötchen geben die Verkäufer Auskunft über die Inhaltsstoffe. Bei abgepackten Nahrungsmitteln sind alle Zutaten auf der vorgeschriebenen Zutatenliste enthalten. Im Zweifel sollten von Zöliakie Betroffene lieber Abstand von einem Kauf nehmen. Gesetzliche Regelungen geben den Verbrauchern seit einiger Zeit mehr Sicherheit. Dazu gehört auch die Kennzeichnung „glutenfrei“.

Glutenfrei einkaufen: Kennzeichnungen als Wegweiser

Banner_Abdigest_klein300_2017Seit 2005 müssen  Lebensmittel, die verpackt sind, mit Zutatenlisten versehen werden. Aufgeführt werden dort alle Zutaten, die dafür bekannt sind, Allergien auszulösen, auch das Gluten. Für lose Ware ist die Zutatenliste auf Nachfragen erhältlich. In Restaurants haben die Gäste das Recht, Auskunft über den Gehalt an Gluten zu erhalten.

Glutenfreie Nahrungsmittel tragen häufig ein Symbol. Da bekannteste ist die durchgestrichene Ähre, deren Inhaber die Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V. ist. Nur Lebensmittel, die weniger als 2 mg je 100 Gramm Gluten enthalten, dürfen dieses Symbol tragen.

Es gibt inzwischen zahlreiche Bäcker, die glutenfreie Backwaren anbieten. Auch Bioläden, Reformhäusern und viele Supermärktn bieten glutenfreie Sortimente von Backwaren und anderen Nahrungsmitteln an.  Zunehmend spezialisieren sich Restaurants auf Gäste, die glutenfrei essen möchten.

Bildnachweis: © Herrndorff – Fotolia.com

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Artikelbild: © kei907

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