Nahrungsmittelallergien und Reizdarm

Nahrungsmittelallergien und Reizdarmsyndrom

Viele Menschen glauben, auf diverse Nahrungsmittel allergisch zu reagieren. Tatsächlich leiden jedoch nur 1-2% aller Erwachsenen unter einer Nahrungsmittelallergie (im Kindesalter liegt der Anteil noch bei rund 6%).

Sicher ist aber, dass die Rate bei der gastroenterologischen Klientel, insbesondere bei Patienten mit unklaren Bauchbeschwerden, deutlich höher liegt. Die komplizierte Diagnostik ernährungsbedingter Unverträglichkeitsreaktionen lässt auf eine hohe Dunkelziffer unerkannter Allergien schließen. Besonders bei hartnäckigen und therapieresistenten Beeinträchtigungen empfiehlt es sich daher, eine intensive Abklärung potentieller Nahrungsmittelallergien vorzunehmen.

Nahrungsmittelallergie – wenn der Körper auf die Nahrung reagiert

Lebensmittelinduzierte allergische Reaktionen stellen eine Antwort des Immunsystems auf vermeintliche Fremdstoffe dar. Harmlose Nahrungsmittelbestandteile (Allergene) werden vom Abwehrsystem des Körpers irrtümlich als gefährlich eingestuft und bekämpft. Dabei gehen die Allergene mit bestimmten weißen Blutkörperchen eine Bindung ein, bei der Histamine freigesetzt werden. Diese sind für das Beschwerdebild einer Nahrungsmittelallergie verantwortlich.

Allergische Reaktionen werden nach klinischer Definition in vier Schweregrade unterteilt. Beim ersten Schweregrad, der rund 35% aller Nahrungsmittelallergiker umfasst, ist die symptomatische Manifestation auf den Gastrointestinaltrakt beschränkt. In diesem Fall stehen recht allgemeine Verdauungsbeschwerden wie Schmerzen, Durchfall und Übelkeit im Vordergrund, die bei der Ursachenforschung in Konkurrenz zu zahlreichen potentiellen Krankheitsauslösern stehen.

Zeigen sich die Beeinträchtigungen dagegen außerhalb des Verdauungstraktes (extraintestinal z. B. durch Hautausschlag, Asthma oder Atemnot), so ist eine Abgrenzung zu anderen Magen-Darm-Erkrankungen verhältnismäßig einfach. Nahrungsmittelallergien der Schweregrade 2-4 veranlassen den Betroffenen daher relativ schnell, einen auf Allergien spezialisierten Facharzt zu konsultieren.

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Diagnose bei Nahrungsmittelallergien

Die Diagnose von Nahrungsmittelallergien stützt sich auf Anamnese (Krankheitsvorgeschichte), Hauttests, In-Vitro-Tests („im Reagenzglas“), Eliminationsdiäten und Provokationstests. Die beiden zuletzt genannten Verfahren sind, obgleich sehr langwierig, die zuverlässigsten diagnostischen Mittel zum Nachweis einer Nahrungsmittelallergie des ersten Schweregrades.

Da bei dieser Form der Krankheit meist angeschwollene Schleimhäute in Magen oder Darm für die Entstehung von Symptomen verantwortlich sind, erlauben die praktischen Hauttests leider nur in den seltensten Fällen eine klare Aussage über das Vorliegen einer Nahrungsmittelallergie. Auch Anamnese und In-Vitro-Verfahren lassen in der Regel keine konkreten Angaben über den Krankheitsauslöser zu.

Teure und beschwerliche diagnostische Verfahren sollten in jedem Fall erst nach Ausschluss von Laktose-, Fruktose- und Sorbit-Intoleranz oder bei entsprechender diätetischer Karenz vorgenommen werden.

Anders als bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist es für eine erfolgreiche Behandlung allergischer Beschwerden wichtig, die betroffenen Lebensmittel gänzlich zu meiden, da bereits geringste Mengen der verursachenden Substanz die Problematik hervorrufen können.

Die Therapie einer Nahrungsmittelallergie besteht in erster Linie aus dem Vermeiden des Auslösers. Anders als bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist es für eine erfolgreiche Behandlung allergischer Beschwerden wichtig, die betroffenen Lebensmittel gänzlich zu meiden, da bereits geringste Mengen der verursachenden Substanz die Problematik hervorrufen können.

Nur wenn das Auslassen des Allergens eine Unter- bzw. Fehlernährung mit sich bringt oder wenn die Beschwerden trotz Eliminationsdiät nicht vollständig unterdrückt werden können, kommt der Einsatz von Medikamenten in Frage.

Für Menschen mit funktionellen Störungen des Verdauungstrakts stellen Nahrungsmittelallergien nachweislich einen ernst zunehmenden potentiellen Auslöser dar. Aus diesem Grund ist es wichtig, sie im Rahmen der Abklärung individueller „Trigger“ in die diagnostischen Bemühungen einzubeziehen.

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Artikelbild: © kei907

Weiterführende Informationen

Kohlenhydratunverträglichkeit  Symptomtagebuch - Hilfe bei Reizdarm

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